Baulust und Baufrust

Warum sagt einem niemand, dass man neben Gips, USB-Platten und Akku-Schraubern beim Bauen vor allem Geduld braucht? Gottvertrauen? Und ein Stückweit auch Gelassenheit? Dumm ist nur, dass ich all das noch nie wirklich hatte. Ich bin eine, die glaubt, Dinge liefen nur dann richtig, wenn man sich selbst drum kümmert. Deshalb birgt dieser Umstand Probleme – vor allem, wenn es darum geht, Wände zu vergipsen oder Heizungsrohre zu verlegen. Denn das sind alles Dinge, die ich wirklich nicht kann.

Jetzt sind wir beim nächsten Problem. Beim Handwerker-Suchen, das haben mein Mann und ich gleich gemerkt, kommt es nicht nur auf den Preis an (als junges, zum Sparen angehaltenes Paar natürlich auch). Mindestens genauso wichtig ist es, dass man einem Handwerker sein Vertrauen schenkt und sich gut aufgehoben fühlt. Das haben wir gleich gemerkt. Letztens waren zwei Herren für ein paar Stunden bei uns – hätten sie bei uns einen Großauftrag zu erledigen gehabt, hätte ich sie vermutlich eigenhändig an die frische Luft gesetzt. Mein Göttergatte und ich wollten die Wohnung vor bösen Geistern ausräuchern – so haltlose Gesellen waren das. Allerdings haben wir über die ganze Bauzeit auch viele sehr gute Erfahrungen gemacht.

Doof ist einfach nur, dass alles so Hand in Hand gehen muss. Der eine fängt erst dann an, wenn der andere fertig ist. Der dritte kommt nur, wenn Du Deine Eigenleistung über die Bühne gebracht hast. Das ist ein nimmermüdes Hamsterrädchen. Manchmal schlimm, manchmal nicht ganz so. Und ab und zu kommt dazu einfach ein „Bauhänger“. Man sitzt inmitten von gefühlten Tonnen Staub. Überlegt sich, welcher Teufel einen geritten hat. Warum das bisherige Mietshäuschen auf einmal nicht mehr gut genug war. Ärgert sich über verpasste Sonnentage. Bundesliga-Spieltage ohne persönliche Anwesenheit. Verpasste Partys, weil man noch eben kurz….

Trotzdem ist es eine Zeit der wertvollen Erfahrungen. Wieder einmal – ich schätze, man wird NIE so alt, dass man nicht dazu lernt – stelle ich fest, auf wen ich mich in Krisenzeiten verlassen kann. So ein Bau ist schließlich so etwas Ähnliches. Wieder einmal merke ich, wer immer da ist. Wer seine Hilfe ANBIETET. Und das, ich erwähnte es bereits, sind nicht viele. Unseren Bau musste man noch nie wegen Helferüberfüllung schließen. Auch die Zahl derer, die nur mal nachfragt, wie’s so geht inmitten von Dreck und Werkstoffen aller Art, hält sich in Grenzen. Von vielen Bekannten bin ich auch enttäuscht. Würden all jene mal nachfragen, wie es uns mit Bau, neuem Büro und kleinem Kind mal so geht, denen wir schon mal geholfen haben… Dann würde mein Telefon öfter klingeln. Meistens kommen eher noch Leute vorbei und bringen UNS etwas, was kaputt ist oder dringendst erledigt werden muss. Schon dreist, denke ich manches Mal. Biete aber trotzdem freundlich eine Hausführung und einen Plastikbecher Kaffee an. Und muss mir im schlimmsten Fall dann noch anhören, dass es schön staubig ist bei uns.

Und als das, dies habe ich beschlossen, werde ich künftig nicht mehr tun. Für jeden, der nur zum Neugierig-sein kommt, gibt es künftig weder Kaffee noch Führung mehr, sondern allenfalls ein fröhliches Hallo, gepaart mit Besen und Schaufel. Besonders beliebt sind bei mir die, die vorbei schauen, gute Ratschläge abladen und dann wieder gehen. Für das gehe ich künftig nicht mehr von der Leiter.

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