Traumfrau aus Knete

Peter sitzt am Küchentisch und knetet hingebungsvoll mit seiner pädagogisch wertvollen Bio-Knetmasse. Ich frage ihn, was das quietschbunte, knollenähnliche Ding werden soll und tippe auf „expressionistische Kartoffelernte auf Holz“. Ich liege falsch. Mein Kind gesteht mit mit schamroten Wangen: „Ich knete mir eine Freundin.“ Aha. So einfach ist das. Ich frage ihn, warum er das tut. Er erklärt mir, dass er es einfach gut findet, jemanden so zu machen, wie er ihn haben möchte: „Die ist dann genauso, wie ich es haben möchte.“ Ah ja. Natürlich erkäre ich ihm, dass ein anderer Mensch für gewöhnlich nie zu 100 Prozent so ist, wie ihn andere haben wollen. Peter nickt verständnisvoll. Und macht weiter. Thema verfehlt.

Ich frage interessiert weiter, welche Eigenschaften das Knet-Fräulein haben wird. Peter überlegt und nennt mir das heiß geliebte Nachbarsmädchen, das er hingebungsvoll anhimmelt, als Vorbild für sein Bunt-Werk. Eine Einschränkung: „Aber schau… mein Mädchen hat einen viel gelberen Bauch und einen ganz pinken Kopf.“ Ach ja, so lange es sich um solche Äußerlichkeiten dreht, ist alles noch nicht so schlimm. Mein Mann mag an mir weder meine heiß geliebte, olle Lederjacke (ordentlich verratzt von einer Fülle von Konzerten), noch mein Tattoo auf dem Bauch. Mein Piercing findet er auch nicht so prickelnd, genauso wenig meinen Hang zu bunten Frisuren. Ich hingegen hasse seine „Kreisliga-Meister 1994“-T-Shirts, die tollen Karohemden aus den 80-ern und seine Baumwollwindeln, genannt Schals. Auch wenn Halstücher derzeit ganz groß in Mode sind.

Während ich die Kartoffeln fürs Mittagessen schnipple, lasse ich mein Kind weiter Traumfrauen kneten. Und überlege mir heimlich, wie mein Knetmännchen aussehen müsste. Eine Mischung aus Campino, Jon Bon Jovi und George Clooney? Oder eher aus Mario Gomez, Til Schweiger und Hugh Grant? Allesamt auf meiner persönlichen Werteskala eher bei „scharfe Schnittchen“ als „lahme Tüten“ angesiedelt. Aber trotzdem. Eigentlich bin ich mit meinem Mann ja ganz zufrieden. Er kann Lampen reparieren, wenn es abends im Coucheck knallt, isst widerspruchslos alle meine neuen Rezptversuche à la Lafer und Mälzer, füttert die heimische Tierfraktion und toleriert sogar das Tote-Hosen-Poster in der Wohnung. Was will man mehr.  Aber trotzdem: So machem eingefleischten Single-Herren, stets suchend und willig, möchte man ab und an schon eine junge Madame kneten. So eine wie die Schwester Hildegard aus der Schwarzwaldklinik.

Fotos Peter und Blog 003

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