Die verzweifelte Suche nach Nonni

Hat Ihr Kind auch ein Kuscheltier? Eines, ohne das es ganz gewiss und zu 100-prozentiger Sicherheit nie im Leben einschlafen kann? Eines, das mit in den Urlaub reist, mit zur Oma fährt und selbstverständlich auch beim Zahnarzt mit von der Partie ist? Während Paul sich mit einem Kuscheltuch à la Sesamstraßen-Samson begnügt, hatte Peter immer einen besonderen Freund: Nonni, einen kleinen und zugegebenermaßen sehr niedlichen Löwen auf Flauschstoff. Nonni kam zu uns, als uns Peters Schnuller (genannt Nonni) verließ. Quasi als Abendersatz schenkte ich ihm damals den kleinen Fellracker, einen neuen Nonni, der die Zähne nicht krumm machte. Seinen Schnulli vermisste Peter von da an wirklich nicht mehr. Allerdings suchten wir statt des Schnullis abends regelmäßig den kleinen Löwen. Der ist, seit er bei uns wohnt, ein Weltenbummler. Nie ist er dort, wo wir ihn vermuten. Nonni hält sich gern in der Speisekammer auf oder im Bad bei den Duschgels. Er schläft in der Werkzeugkiste oder auf den leeren Saftflaschen. Irgendwie hat er aber trotz all seiner Ausflüge, Sparkasse, Großmarkt oder Innenstadt, stets zu uns zurückgefunden. Das klappte sehr, sehr lange.

Bis auf einmal. Trotz intensivster abendlicher Suche blieb Nonni verschollen. Peter weinte um seinen kleinen Fellfreund dicke Krokodilstränen. An Schlaf war freilich nicht zu denken. Ohne Nonni wollte Peter nicht ins Bett. Nachts um 23 Uhr stellten wir erschöpft die Suche ein. Das Kind war voll Trauer auf dem Sofa eingenickt, tränennass und selbst im Schlaf tief schluchzend. Und alles wegen Nonni, einem kleinen Stofflöwen.

Tags darauf machten wir uns hektisch auf die Suche nach einem neuen Nonni. Dieser hieß in Echt freilich nicht Nonni, sondern schnöde Rudi (HALLO??? Kann ein Savannenkönig Rudi heißen?!). Nonni-Rudi war in keinem umliegenden Spielzeuggeschäft zu bekommen. Im Internet fand ich einen Webshop, der Nonni, das Löwen-Auslaufmodell, tatsächlich noch im Programm hatte. Erleichtert schlug ich zu, acht Euro Versandkosten und zwei Wochen Lieferzeit wohlwollend ignorierend. Peter erzählte ich eine wunderbare Einschlafgeschichte, Nonni sei gemeinsam mit Felix, dem weit gereisten Hasen, auf Tour gegangen. Peter glaubte mir die hanebüchene Story dankbar und schaute sogar auf dem Globus nach, wo China ist. Nach exakt neun Tagen traf der neue Nonni ein. Aber was mussten wir sehen? Er war schlappe 15 Zentimeter größer als der alte. Nun war guter Rat teuer. Sollte ich Peter etwas von überraschendem Löwenwachstum erzählen? Von Wuchspillen? Oder diesen Größenunterschied einfach ignorieren? Oder erst einmal abwarten? Ich entschied mich für letztgenannte Variante.

Da kam mir der Zufall zu Hilfe. Eine Stunde später räumte ich im Heizraum Wäsche in die Trommel. Und wer saß da auf dem Hauptwasserhahn und linste keck von oben herunter? Nonni. Leicht verstaubt, aber zweifellos der echte. Jetzt hatte ich plötzlich ein Luxusproblem in Gestalt von zwei Löwen. Ich entschied mit, dem gramgebeugten Peterchen beide Löwen auszuhändigen – mit dem Hinweis, Nonni habe von der Reise seinen Papa Bernhard mitgebracht. Nonni und Bernhard wohnen selbstverständlich immer noch bei uns, allerdings werden sie abends nicht mehr soo zwingend zum Einschlafen gebraucht.

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