Bernie, Klinsmann und notti matiche

Wir sind Weltmeister! Das Haus befindet sich im Kollektiven schwarz-rot-goldenen Taumel. Was für meinen Vater Bern 1954 mit Boss Rahn war und für mich Rom 1990, unvergesslich durch Andreas Brehme, wird für meinen Sohn Peter immer Rio 2014 sein. Das Wunder von Maracana. Ein Finale, das an Dramatik nicht zu überbieten war. Und uns heute noch, am Tag danach, zittern lässt. Danke, Mario Götze!

Ich erinnere mich als Kind der 70er noch gut an die großen Turniere jener Jahre und die Spieler, die sie geprägt haben. Illgner. Kohler, Klinsmann, Matthäus, Völler, Littbarski, Brehme. Idole meiner Jugend, feinsäuberlich aufgeklebt in den Duplo-Alben. Das Maskottchen der Europameisterschaft 1988 war Bernie, ein glubschäugiger Hase in riesigen Fußballschuhen. Mit knapp 14 Jahren habe ich mir solch einen Hasen sehnlichst gewünscht. Unfassbar, was? Meine Brüder, vier Jahre jünger, bekamen Bernies, weil ihre Geburtstage strategisch günstiger in der EM-Zeit lagen. Ich besitze bis heute ein Paar Bernie-Socken – überflüssig zu erwähnen, dass die bis heute wohlgehütet in meinem Schrank liegen.

Der Song von Gianna Nannini „Un’estate Italiana“ gehört zur legendären WM 1990. Läuft er im Radio, bekomme ich nasse Augen. Sehe Andreas Brehme schießen und den Kaiser mutterseelenallein über den Platz laufen, zunächst vollkommen unfähig, sich zu freuen… Brehmes Elfer vor Schluss hat sich in meine Erinnerung genauso tief eingebrannt wie die holländische Spuckattacke auf Rudi Völler. Ich fand dies damals unfassbar, und ich gebe zu, dieses Erlebnis hat meine Liebe zu manchen Teams dauerhaft geprägt. Gücklicherweise steht mir Orange als Farbe überhaupt nicht.

„Wave your flag“ gehört zum deutschen Sommermärchen 2006. Die Welt zu Gast bei Freunden. Fanmeilen. Deutschland im schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer. Im entspannten Umgang mit sich selbst. Ein deutscher Supersommer mit Goleo, einem Maskottchen ohne Hose. Alles ebenso unvergesslich und gut gehütet in meinem Erinnerungs-Schatzkästlein. Ehrlich gesagt habe ich nach dem verlorenen Halbfinale drei Monate lang keine Pizza mehr gegessen. Ja. Ich, weiß. Kein Pizzabäcker der Welt kann für diese Niederlage. Aber das Sommermärchen…

Als gestern nach gefühlten zwölf Minuten Nachspielzeit endlich abgepfiffen wurde und ein Urschrei durch das ganze Land ging, musste ich weinen. Ich habe kurz hochgerechnet, dass meine Kinder – sollte es bis zum nächsten WM-Titel wieder so lange dauern – bis dahin längst erwachsene Männer sind. Was haben wir also getan? Beide Jungs geschnappt. Mitten in der Nacht. Autokorso gefahren, bis die Hupe geglüht hat. Zwei Buben glücklich, mit großen Augen auf dem Rücksitz, Fahne schwenkend. „Fescht schüttla“, rief Paul, während Peter immer noch ungläubig den Kopf schüttelte. Wir haben ihnen hoffentlich eine tolle Erinnerung geschenkt. Für IHR Schatzkästlein.

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