Working Mum

„Du hast es gut. Du kannst Dir Deine Zeit frei einteilen.“ Wie oft ich das schon gehört habe! An und für sich stimmt es ja auch. Ja. Ich kann mir meine Zeit frei einteilen. Ja. Ich kann spontan etwas anderes einschieben, kurz zu einem Elterngespräch in die Schule gehen oder etwas Dringendes einkaufen. Oft denke ich, dass ich meine Berufstätigkeit mit starren Arbeitszeiten nie im Leben geregelt bekommen würde. Ich ziehe vor jedem den Hut, der das tun muss. Aber:  Auch meine Freiheit hat ihre heimliche Kehrseite. Denn jeder setzt voraus, dass ich mich und meine Arbeit permanent „frei“ gestalte, sprich: Das regle, was andere nicht schaffen können oder nicht wollen. Dazu kommt, dass ich von zu Hause aus arbeite. Ich liebe mein Büro im Soutterrain unseres Hauses. Ich kann kurz hoch, um mir etwas zu essen zu machen. Ich habe keine Anfahrtsstrecke, spare Benzin und Geld. Ich kann nebenher mal so eine Waschmaschinen-Ladung laufen lassen oder den Trockner ausschalten. Viele Vorteile.

Aber: Ich bin für jeden immer greifbar und daheim – egal für wen und egal für was. „Du bist ja daheim. Du kannst das kurz erledigen.“ Gern betone ich dann: „Ja. Vom Büro aus.“ Mein Homeoffice, das denke ich oft, wird eher als „Home“ als als „Office“ wahrgenommen. Stört mich normalerweise nicht. Allerdings sticht es mich gewaltig, wenn mich selbst Nahestehende fragen: „Warst Du heute mal wieder im Büro?“ Das fragt meinen Mann doch auch niemand! Ja, möchte ich dann brüllen. So wie JEDEN Tag! Wenn ich zum 124. Mal etwas erledigen soll, für wen auch immer, einzig aus der Motivation heraus, ich sei ja daheim, reagiere ich mitunter angefressen. Außerdem: Wenn jemand tatsächlich „daheim“ ist, egal ob als frischgebackene Mama oder als Rentner, hat er verständlicherweise auch keine Lust, immer all das zu tun, wozu anderen nicht der Sinn steht….

Manch einer weiß übrigens auch gar nicht, dass ich arbeite. Stört mich nicht. Soll er doch. Wenn blöde Sprüche über Frauen fallen, die ja eh bloß zum Kindergarten oder Einkaufen fahren und das Geld des Mannes ausgeben, beiße ich in jedem Fall zurück. Denjenigen sei ans Herz gelegt, es im Selbstversuch einmal zu testen, drei Tage lang ein backenzahnendes Kleinkind mit Fieberschüben und Brechattacken zu beschäftigen. Das ist anstrengender als eine dreitätige Messe. Glauben Sie mir. Ein Tag lang nur im Büro ist für mich manchmal wie Erholung :-). Psst.

Üblicherweise bin ich also morgens fest im Büro, wenn Peter in der Schule ist und Paul im Kindergarten. Um 12.45 Uhr hole ich den Kleinen ab – damit endet meine Vormittagspräsenz. Mittags bin ich – je nach Mittagsschlaf von Paulchen – normalerweise auch im Büro. Wenn ich gekocht und aufgeräumt habe. Wenn alle Buben daheim sind. Nur: mittags schläft Paulchen immer kürzer. Meine festen Arbeitszeiten sind also so zwischen 8.30 Uhr und 12.30 Uhr. Ganz grob. Es empfiehlt sich für mich nicht mehr, die Mittagsschläfchen als feste Büro-Zeit einzuplanen. Das endet in Nachtschichten und großem Frust. Ach ja. Überflüssig zu erwähnen, dass Peter als Drittklässler ab und an auch meiner Hilfe bei Hausarbeiten oder Referaten bedarf. Und sei es nur, weil man mal wieder gucken muss, ob der Schulranzen noch vollständig ist oder alte Pausenbrote in Tupperdosen vor sich hin modern.

Jeder, der Familie hat, weiß, dass da nicht immer alles gerade laufen kann. Der Große muss krank aus der Schule abgeholt werden. Der Kleine hat die ganze Nacht gehustet und kann gar nicht erst gehen. Zu allem Überfluss hat der Mann selbst einen frühen Arzttermin. Wer fängt das? Klar. Ganz oft ich. Weil der Gatte Urlaub nehmen müsste oder Fehlzeit. Weil der Gatte, der seine Arbeit übrigens auch sehr mag, schon genug tut und selbst oft am Limit läuft.

Allerdings sei vorsichtig und ohne Vorwurf anzumerken, dass sich Redaktionsschluss und Abgabetermine verständlicherweise nicht nach kranken Kindern oder Arztbesuchen richten können. Außerdem kann ich als berufstätige Mutter von niemandem ernst genommen werden, wenn ich ständig Fristen verschieben muss oder Termine absage. Deshalb lässt mir das der Stolz auch nicht zu. Notfälle immer ausgeschlossen – es gibt Fälle, da geht es nicht anders. Aber meine Kunden und meine Zuverlässigkeit ihnen gegenüber liegen mir sehr am Herzen. An einer Arbeit „dranbleiben“ ohne auf die Uhr zu gucken: Das ist großartig. Wenn ich dann aus einem Text „raus“ bin, weil ich „kurz  mal eben“ weg musste, brauche ich eine gewisse Zeit, bis ich wieder „drin“ bin. Das ist einfach so.

Das klingt jetzt deprimierend, was? Nö. So ist das gar nicht. Es gibt ja auch gaaaanz viele Tage, an denen alles glatt läuft. Ich liebe es, von beiden Seiten – Mamasein und Berufstätigkeit – zu profitieren. Ich bin leidenschaftlich gern Mama. Ich liebe meine Jungs über alles. Sie sind das Wichtigste, was der Gatte und ich haben. Aber: Ich liebe halt auch meinen Beruf. Dafür bin ich lange in die Schule gegangen und habe viel zu lange studiert. Ich mag die Vielfältigkeit meiner Arbeit. Die Menschen, auf die ich treffe. Was ich sagen will? Manchmal ist es nicht einfach, beides unter einen Hut zu bekommen. Es lohnt sich aber auf jeden Fall! An dieser Stelle geht ein Dankeschön an den verständnisvollen Ehemann, der selbst tut, was er kann und mich nie hängen lässt. Ebenfalls gedacht sei an das Konzept „OMA“. Ohne diese Helfer im Hintergrund wäre mein Boot schon das eine oder andere Mal auf Grund gelaufen. Danke!

Ein Kommentar zu “Working Mum

  1. Genau das Problem habe ich auch: Ich arbeite auch frei und von zuhause aus. Und mir geht es wie Dir! Ständig heißt es „du bist ja eh zuhause, kannst du mal…“ – Handwerker anrufen, demselbigen die Tür aufmachen, zur Reinigung gehen, usw… Zurzeit habe ich nzum Arbeiten eh nur die Zewit, wenn mein Kleiner schläft und das wird auch immer weniger…

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