Sie sind der Meinung, das war Spitze?!

Kennen Sie noch Hänschen Rosenthal? Der fröhliche kleine Mann, der donnerstags bei „Dalli Dalli“ immer hurtig in die Luft hopste und rief: „Sie sind der Meinung, das war Spitze?!“ Peter liebt Hans Rosenthal. Seit er vor kurzem einmal die Neuauflage des Schnelldenker-Quiz auf NDR gesehen hatte (die seine Mami für sich aufgenommen hatte), ist unser Sohn im Dalli-Dalli-Fieber. Als wir dann noch entdeckten, dass die alte Show auf ZDF-Kultur regelmäßig läuft, war es um Peter geschehen. Seither freut er sich riesig, wenn Prominente aus längst vergangenen Fernsehzeiten Fragen wie „Was packen Sie in einen Nikolausstiefel?“ Oder „Was wärmt Sie im Winter?“ beantworten müssen. Weil die Wiederholungen mit Hans Rosenthal dienstags um 13 Uhr im Programm sind, müssen wir sie zwar aufzeichen, aber das ist ja egal.

Peter lacht sich scheckig, wenn Altstars der 70-er wie Michael Schanze oder Winnie Markus mit Föhnwelle und Toupierfrisur Plätzchen ausstechen müssen, Teppiche wickeln oder Geldmünzen sortieren. Er freut sich über lustige Antworten in den Schnellraterunden, erheitert sich über die Gewänder von „Assistentin Monika“ oder hat Spaß daran, dass Roberto Blanco heute noch so aussieht wie früher. Auch Uwe Seeler war mal jung, das haben wir bei einer unserer letzten Dalli-Dalli-Sessions ebenfalls festgestellt. Was uns aber auch angenehm auffiel: der feine Umgangston, den Hänschen Rosenthal mit seinen Teams pflegte. Er ließ alle Gäste gut aussehen, egal wie dusselig sie sich auch anstellten und egal, wie schwer von Begriff sie gerade waren. Rosenthal führte seine Interviews ausgesucht fein, freundlich und aufmerksam, er ließ alle ausreden und amüsierte sich nie auf Kosten seiner Gäste. Dazu klampfte Heiner Riethmüller ausgesuchte Melodien wie „Wer soll das bezahlen…“ auf dem Piano, und die Götz-Wendland-Combo  begleitete ihn nach Kräften. Früher hatte überhaupt das, was man heute lapidar als „Band“ bezeichnen würde, schöne Namen wie „Max-Mayer-Bigband“ oder „James-Last-Orchester“.

Was würde Rosenthal wohl zu einem Fernsehprogramm sagen, in dem man zur besten Sendezeit Känguru-Hoden verspeist, arme Schrotthändler auf TV-Almen verfrachtet oder sprichwörtlich in die Gülle fliegt? Vermutlich nicht viel – Hänschen Rosenthal hat diesen Niedergang abendlicher TV-Unterhaltung nicht mehr erlebt. Frau Kasi indes freut sich über den dienstäglichen Ausflug in die TV-Kindheit, als sie frischgebadet im Schlafanzug und nach Bebe-Creme duftend, ausnahmsweise länger aufbleiben durfte, um Schnellzeichner Oscar und die Dalli-Dalli-Tonleiter zu sehen. Zeiten mit einem uralten Saba-Fernseher waren dies, der knapp 25 Jahre alt wurde und dessen Fernbedienung ganz futuristisch „Telecommander“ hieß. Das Gerät hielt sich all die Jahre wacker, bis es ein Gewitter vollkommen unverdienterweise jäh aus dem Dienst nahm. Sage und schreibe fünf Kanäle hatten wir einst daheim, das Erste, das Zweite, das Dritte, Österreich immer und die Schweiz manchmal. Bei ganz gutem Wetter. „Was“, sagte unlängst Peter angesichts des „Spitze-Sprungs“, „gibt’s Dich schon so lange, dasss Du DAS noch kennst und erlebt hast? Boah, Mama.“