Gut sichtbare Schützenhilfe

So langsam komme ich wohl in das Alter, in dem die Arme immer länger werden sollten. Wenn ich beim Einkaufen die klein gedruckten Inhalts- und Zusatzstoffe lesen will (und das mache ich immer sehr genau), muss ich die Dosen und Tiegel immer weiter weg halten, um die kleine Schrift entziffern zu können. Mit dieser zunehmenden Altersblindheit habe ich kein Problem. Ich war noch nie als Adlerauge bekannt, war in die Ferne schon immer so blind wie ein Maulwurf mit fast sieben Dioptrien. Sollte ich jetzt auch noch eine Lesebrille brauchen – was soll’s. Unlängst hat mich mein Augenfachmann auch noch darauf hingewiesen, dass ich an „verdecktem Schielen“ leide. Deshalb sähe ich so schlecht. Von daher – bei so einer langen Liste und einer jahrzehnte langen Erfahrung mit Brillen, geschliffenen Sonnenbrillen, Kontaktlinsen und deren sauteuren Reinigungsmitteln kommt es nun auf eine Lesebrille wahrlich nicht mehr an.

Allerdings kommt mir der Drogeriemarkt meines Vertrauens unbürokratisch zu Hilfe. Seit kurzem sind dort an jedem Einkaufswagen übergroße Lupen angebracht. Damit man das Kleingedruckte besser lesen kann. Bravo, dm ! Das nenne ich einmal gut sichtbare Schützenhilfe!

Mist mit sieben Dioptrien

Der Schwimmbadbesuch ist zu Ende. Familie Weiger hektiziert zum Ausgang – sonst heißt es nachzahlen. Ich beeile mich also mit Duschen, freue mich, dass meine beiden Männer schon vor der Damendusche stehen, als ich frisch gewascht und getrocknet nach draußen komme. Beim Näherkommen auf leisen Barfuß-Sohlen sehe ich einen kleinen blonden Jungen, der vertrauensvoll die Hand in die seines Papas legt. Mein Herz geht auf. Dann merke ich allerdings, dass Markus‘ neue Badehose ein klein wenig über den Popo gerutscht ist. Beherzt greife ich zu und brülle ihm ins Ohr: „Ich zieh Dir mal die Hose um. Da kann man voll Deinen Popo sehen.“ Markus dreht sich um. Er hat schöne blaue Augen und einen Bart. Einen Vollbart. Mir stockt der Atem. Das Blut gefriert mir in den Adern – so sympathisch der Mann da auch sein mag, dem ich lautstark seine Hose zurecht zupfe – es ist leider nicht meiner. Meiner hat seit knapp 40 Jahren grüne Augen mit hellbraunen Sprenkeln und noch nie einen Vollbart getragen. Und bei genauerer Betrachtung ist mein Göttergatte nicht ganz so fest. Freundlich zwinkert mich der junge Mann an – selbstverständlich ist der kleine, blonde Junge auch nicht meiner – und fragt: „Na, da hob ich jetzad grad denkt, des wär ma‘ Fra‘.“ Auch noch ein Franke. Ich entschuldige mich hochrot, stammle unsinnige Sätze und mache mich schleunigst vom Ort meiner Schmach. Mist auch mit fast sieben Dioptrien.